Warum organisierte Abenteuerfahrten nichts für mich sind - Eine Selbsterkenntnis und mein Weg zurück zum entspannten Bikepacking



Es gibt für alles im Leben einen Auslöser oder Grund. Meißt offensichtlich, aber manchmal auch schleichend. Oft nimmt man die Auslöser dafür nicht wahr, aber die Folgen umso prägnanter. Nach meinem Gefühl kann ich immer recht schnell für mich selektieren, was mir gut tut und wobei mein Spaß an der Sache nicht auf der Strecke bleibt. Noch viel deutlicher spüre ich das Unbehagen, wenn mir etwas überhaupt nicht zu sagt, ich mich dazu aufraffen und motivieren muß. Über die Jahre immer bezeichnender, deutlicher und klarer. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr über mich erfahren, von dem was ich möchte und was ich nicht will!

Gerade bei sportlichen Aktivitäten ging ich bisher oft an meine persönlichen Grenzen und versuchte diese für mich zu erkunden. Vielleicht auch auszuloten, aber definieren möchte ich diese für mich nicht (mehr), denn Grenzen verschieben sich. Bei der stetigen Hatz danach und dem krampfhaften Erreichen dieser, geht für mich oft der Freude an der Sache und die Gelassenheit mit ausreichendem Raum für den Genuß, verloren. Trotz des eigenen sportlichen Anspruches möchte ich nicht auf Biegen und Brechen als Produkt meiner eigenen überzogenen Planung für eine Tour oder einem Sportevent und meine Freude daran aufs Spiel setzen um am Ende den Spaß dabei zu verlieren. Definitiv nicht oder nicht mehr, denn das geht bei mir recht schnell. Mit schwindender Motivation und in dem Kontext wäre es schade um eine eigentlich gute Zeit bei der Sache.

Als ich mit Mitte Zwanzig immer öfter an diversen Mountainbike-Marathons teilnahm, hatte ich am höher, schneller und weiter richtig Blut geleckt. Es konnte nicht knackig genug bergauf oder besser noch in ordentlicher Downhill Manier bergab gehen. Rahmenbrüche, Stürze auf Downhills mit folgenden Krankenhausaufenthalten, OP's an überbelasteten Gelenken und ständig entzündeten Muskeln. Es hat immer irgendwo im Bewegungsapparat geschmerzt. Aber egal, es ging irgendwie und die nächste heftige Tour stand schon wieder an. Immer möglichst am Anschlag und besser darüber hinaus. Meine eigenen Grenzen habe ich so sehr blauäugig, oft über den Schmerz hinweg und in der Gruppendynamik mit den Kumpels auf Tour, immer wieder neu definiert und überschritten. Zu dieser Zeit war es für mich jedes Mal eine neue Erfahrung und ich konnte zwar völlig platt, aber zufrieden mit mir den Tag abschließen. Das ist nun schon über Zwanzig Jahre her...

Über die Jahre hat sich langsam aber auch sehr deutlich für mich heraus kristallisiert, was mir gut tut und woran ich Freude im Leben habe. Dazu gehört für mich eindeutig der Sport, welcher mir ein solides Fundament und in der richtigen Dosis Zufriedenheit und Entspannung bietet. Sei es das Radfahren oder der Laufsport. Selbst sportliche Trekkingtouren zähle ich dazu. In jeder Hinsicht ein Lernprozeß über die Jahre, welchen wohl viele auch schon selbst durchschritten haben. Erfahrungen sind nun mal prägend. Nicht immer positiv, aber gerade daraus resultierend und mit der gewissen Sensibilität zeichneten sich für mich über die Zeit ziemlich klar meine eigenen Präferenzen ab. 

Auch wenn ich von Freunden immer wieder mal für die Auslegung meiner übertriebenen Präferenzen im Sport wie im Lebensalltag ein Kopfschütteln erhalte, habe ich meine Ausgewogenheit im Sport gefunden. Nicht immer linear, aber in der Gesamtheit nun schon über Jahrzehnte beständig. Dabei hat sich ziemlich früh abgezeichnet, was ich möchte und vor allem, was ich nicht will! Nicht wollenen und es trotzdem zu tun bedeutet für mich generell Druck, ein gewißer Zwang, Komforteinbusen und daraus resultierendes Unbehagen mit der schwindenden Freude am Sport oder einer Tour. Nein! Das habe ich für mich mit den Jahren mehr und mehr auszuschließen gelernt, wenn gleich es nicht immer funktioniert. Manchmal falle ich eben wieder in alte Raster, wohl wissend und mit dem ungutem Gefühl im Bauch, ob es die richtige Entscheidung war.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Candy B. Graveller 2017 bei welchem ich kürzlich voller Vorfreude, aber eben mit diesem unguten Gefühl im Bauch gestartet bin, ob solche "Massen"-Veranstaltungen mit diesem gewissen Druck in einem zeitlichen Rahmen das Ziel über mehrere Tage zu erreichen, überhaupt etwas für mich sind. Das mich eine mitgebrachte Erkältung, welche sich immer mehr intensivierte und mich am vierten Tag mit Fieber abbrechen ließ, ist eine andere Sache. Solche Unpäßlichkeiten sind immer böld, aber diese kann man genauso wenig ändern, wie das Wetter. 
Nach dem Start hatte sich bei mir schnell wieder dieser unterschwellige Druck eingestellt, pro Tag eine bestimmte Kilometerleistung drücken zu müßen um in einem vertretbaren Rahmen die gesamte Strecke absolvieren zu können. Dieser Rahmen betrug bei mir 5 Tage, was ich nicht für überzogen hielt. Und klar, hier setzt jeder für sich selbst die eigenen Maße des fahrbaren, ob nun mit weniger oder mehr Komfortanspruch. Mit letzterem bin ich gestartet und hatte trotz des besagtem Druck in mir verspürt, auf Teufel komm raus treten und Kilometer reißen zu müßen. Das ist natürlich mein eigenes Ding, mein Umgang mit Druck und Zwang, was aber eben auch zu Lasten des entspannten Fahrens und dem Spaß für mich auf Tour geht. Nebenher waren etwaige Umstände rund um den Candy B. für mich oft nicht nachvollziehbar, was der Fahrer Joachim mit seinem kritischen Kommentar quasi nochmal auf den Punkt gebracht hat. Absolut konform in seinen Anmerkungen spare ich mir einen weiteren Kommentar. Einen Tourenbericht meiner seits aus der Enttäuschung resultierend wird es daher auch nicht geben. Das nur am Rande.

Positiver Nebeneffekt war hier wiederum meine Erkenntnis, daß ich mich einem solchen Druck - wenngleich auch selbst aufgebaut - nicht mehr aussetzen muß und will! In dem Zusammenhang ist für mich auch die Entscheidung gefallen, meine Teilnahmen an organisiert geplanten Abenteuerfahrten in Zukunft zu känzeln. Eine Entscheidung über den Bauch und vom Kopf bestätigt!

Ich ziehe es doch lieber vor, Bikepacking-Touren mit guten Freunden oder auch immer wieder gern alleine zu machen. Kein Druck, kein Zwang. So lange fahren wie ich möchte, mein Tempo ohne irgendwelche virtuellen Vorgaben, Pause so oft und lange machen wie es mir gut tut und dabei die Natur mit tiefen Atemzügen zu genießen. Klingt etwas pathetisch, aber das ist die Art, wie ich mich auf Touren wohl fühle und Spaß daran habe, worum es doch letztendlich geht. Für mich zumindest und dazu gehört auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen :-  )



Kommentare :

  1. Hi Matthias,

    in diese Falle, sich den Rhythmus quasi von außen vorgeben zu lassen, bin ich auch schon viel zu oft geraten. Ja, für eine gewisse Weile macht es Spaß immer härter, schneller, weiter unterwegs zu sein. Wenn man sich dabei aber immer nur die Zeiten von anderen diktieren lässt vergisst man auf sich selbst zu hören. Diese Erkenntnis haben Rike und ich damals auf unserer Alpenüberquerung gemacht, wo wir immer von Hütte zu Hütte hetzen mussten um noch einen Schlafplatz vor dem Eintreffen der geführten Wandergruppen zu bekommen. Rike hat auf der 100km Runde in Jena die Rechnung kassiert als wir nicht in unserem Schritt gegangen sind, sondern bei der Gruppe bleiben wollten. Wir haben es auf Korsika gemerkt, wo wir aufgrund weniger Tage Urlaub uns schon vorher für unsere Tour einen fixen Zeitplan erstellt hatten. Und auch bei den diversen Laufveranstaltungen bei denen ich schon dabei war, fühlte es sich irgendwie nie komplett richtig an sich nach den Vorgaben von anderen zu richten.
    Von daher kann ich deine Gedanken dazu mehr als nachvollziehen. Es hat noch nicht mal unbedingt was damit zu tun, ob man den eigenen Körper überlastet oder nicht. (kann natürlich auch passieren). Aber es fühlt sich einfach irgendwie nicht richtig an. Man muss auf seinen eigenen Rhythmus hören. Und mit dem Alter und der Erfahrung sollte man irgendwann wissen wie der geht.
    Wir versuchen daher schon lange uns unsere Freiräume beizubehalten und uns nicht immer von irgendwelchen Etappenvorschlägen, Routen, Zeitfenstern, etc. alles vorgeben zu lassen. Aber wir erwischen uns doch immer wieder dabei darauf hereinzufallen. Dann hilft oft nur noch dieBremse anzuziehen, innezuhalten und auf sich selbst zu hören.
    Um Massenveranstaltungen machen wir aus diesem Grund in der Regel auch immer einen großen Bogen. Naja. Es gibt da natürlich auch immer ein paar Ausnahmen. Demnächst startet und endet ein paar hundert Meter von unserer Haustür eine 100km Wanderung. Die wollen wir uns zumindest mal "angucken". Und genau an meinem Geburtstag findet das erste mal ein OMM-Lauf in den Alpen statt. Und zwei Tage mit allem Gerödel durch die Berge huschen wollte ich ja eigentlich auch schon länger...
    Na mal sehen, ob wir uns da wieder von anderen anstecken lassen, oder ob wir auf unseren eigenen Rhythmus hören werden.

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  2. Hey Basti,

    danke für deinen umfangreichen Kommentar. An euren unfreiwilligen Ausstieg bei der Horizontale Jena kann ich mich noch gut erinnern. Eine unschöne, aber auch kluge Entscheidung und offensichtlich richtungsweisend für eure Zukunft was solche Veranstaltungen angeht. Das ist nun schon 6 Jahre her und ich hatte damals auch meine Bedenken, ob ich mir sowas nochmal an tuen möchte, wozu es dann nicht mehr kam. Scheinbar begann mein Umdenken damals schon...

    Erstaunlicher Weise habe ich als Ausgleich zum Rad fahren bei Marathon oder Halbmarathonläufen kein Problem damit. Hier freue ich mich auf ein paar Stunden sportliche Herausforderung, laufe aber meinen Schuh und lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Mal abgesehen von der manchmal zum Ende hin mangelnden Kondition, habe ich hierbei kein ungutes Bauchgefühl mit der folgenden Bestätigung. Warum das in dem Fall so ist weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich kann ich bei solchen Laufveranstaltungen an einem Tag, den allgemeinen Umfang besser einschätzen, was mir eine innere Ausgeglichenheit verschafft und entspannter damit umgehen läßt...

    Wie du es schon erwähnt hast, sollte man öfters inne halten und ehrlich mit sich selbst sein. Naja und leider braucht es dafür eben meißt einen Auslöser, aber mit etwas Routine stellt sich eine sensible Eigendynamik ein und die Notwendigkeit einer Vollbremsung besteht nicht mehr - trotzdem schön zu wissen, daß man den Druckpunkt der Bremse kennt (um es mal im Bikerlatein auszudrücken) und diesen im Bedarfsfall besser dosieren kann ;- )



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